Die Orientalische Hornisse (Vespa orientalis) stößt in Südeuropa sowohl bei Naturkundlern als auch bei Imkern auf zunehmendes Interesse.
Ursprünglich auf das östliche Mittelmeergebiet und den Nahen Osten beschränkt, erweitert diese Art heute ihr Verbreitungsgebiet – häufig parallel und teilweise in Wechselwirkung – mit der Asiatischen Hornisse Vespa velutina.
Dieser Artikel soll dabei helfen, Vespa orientalis korrekt zu identifizieren, die Mechanismen ihrer geografischen Ausbreitung zu verstehen und ihre wesentlichen Unterschiede zu Vespa velutina zu erläutern, insbesondere im Hinblick auf die Imkerei.
1. Was ist Vespa orientalis?
Vespa orientalis ist eine Hornissenart, die in warmen und trockenen Regionen heimisch ist: Ägypten, Naher Osten, Türkei, Iran, Arabische Halbinsel.
Im Gegensatz zu Vespa velutina handelt es sich nicht um eine streng exotische Art für Südeuropa, jedoch wirft ihre jüngste Ausbreitung neue ökologische und imkerliche Fragen auf.
Bestätigte Beobachtungen gibt es inzwischen in Italien (auch im Norden), auf dem griechischen Festland, auf Malta, Zypern sowie in Teilen Südspaniens. Im Jahr 2025 wurde ihr Vorkommen außerdem in Belgien (Wallonien) bestätigt [ref. 5].
In Andalusien übt Vespa orientalis inzwischen einen Druck auf Bienenstöcke aus, der mit dem von Vespa velutina in Westeuropa vergleichbar ist, was die Situation für Imker besonders schwierig macht.
Bis heute (Anfang 2026) gibt es keine europäische Region, in der beide Arten dauerhaft und stabil im selben Gebiet koexistieren. Einzelne Beobachtungen, insbesondere in Wallonien, wurden gemeldet, befinden sich jedoch noch in einem frühen Stadium und erlauben keine Schlussfolgerung über eine stabile Koexistenz.
Beide Arten verfolgen derzeit ihre eigene Ausbreitungsdynamik in noch weitgehend unterschiedlichen klimatischen und ökologischen Kontexten. Mittelfristig ist es jedoch wahrscheinlich, dass sich die Verbreitungsgebiete von Vespa orientalis und Vespa velutina teilweise überschneiden, was neue Fragen hinsichtlich interspezifischer Konkurrenz und Auswirkungen auf die Imkerei aufwirft.
2. Identifizierung: Verwechslungen vermeiden
| Kriterium | Vespa crabro | Vespa orientalis | Vespa velutina |
|---|---|---|---|
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|
| Dominierende Farbe | Gelb und Braun | Rotbraun | Schwarz |
| Hinterleib | Weitgehend gelb gestreift | Breites, leuchtend gelbes Band (oft zwei Segmente) | Ein einzelnes orangefarbenes Band |
| Beine | Rotbraun | Rotbraun | Gelbe Beinenden |
| Königinnenlänge | 35–40 mm | 35–40 mm | 30–35 mm |
| Arbeiterinnenlänge | 25–35 mm | 25–35 mm | 17–32 mm |
| Körperbau | Groß und sehr robust | Groß und massig | Kleiner und schlanker |
| Aktivität | Tagaktiv, eher dämmerungsaktiv | Stark tagaktiv, hitzeabhängig | Tagsüber (Spitzen morgens / spätnachmittags) |
| Schwebeflug vor dem Bienenstock | Selten | Wenig häufig | Sehr häufig |
3. Biologie und Verhalten
Vespa orientalis ist eine stark thermophile Art, deren Aktivität deutlich über 30 °C zunimmt. Sie nistet häufig in unterirdischen Hohlräumen, Mauern oder städtischen Infrastrukturen.
Eine bemerkenswerte Besonderheit von Vespa orientalis ist ihre Fähigkeit, Sonnenstrahlung zu nutzen (ref. 2). Die gelben Pigmente ihrer Cuticula tragen zu einer teilweisen Umwandlung von Lichtenergie bei – ein Mechanismus, der mitunter als eine Form von biologischer Photovoltaik beschrieben wird. Dieses Phänomen ist durch mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen dokumentiert, die einen Zusammenhang zwischen Sonneneinstrahlung, Thermoregulation und Stoffwechselaktivität aufzeigen.
Diese Fähigkeit wirft die Frage auf, ob ähnliche Mechanismen auch bei anderen Arten der Gattung Vespa existieren. Für Vespa velutina gibt es bislang keinen vergleichbaren experimentellen Nachweis. Feldbeobachtungen legen jedoch nahe, dass auch sie indirekt von Sonnenstrahlung profitieren könnte, insbesondere unter heißen und stark sonnigen Bedingungen. Diese Hypothese befindet sich jedoch noch im explorativen Stadium und bedarf weiterer Untersuchungen.
4. Geografische Ausbreitung und Klima
Aktuelle Studien [ref. 3, 4] und Vorkommensdaten zeigen, dass die Ausbreitung von Vespa orientalis begünstigt wird durch:
- die globale Erwärmung,
- die Zunahme langer, trockener Sommer,
- warme urbane und periurbane Lebensräume,
- passiven Transport durch menschliche Aktivitäten (Häfen, Logistikzonen).
Mittelfristig erscheinen westliche Mittelmeerregionen, einschließlich Südfrankreich, als potenziell geeignete Gebiete für eine Ansiedlung.


