Wenn Licht zum Hebel gegen die Asiatische Hornisse wird
Lange Zeit stützte sich die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse auf eine einzige Gewissheit: ihren Geruchssinn.
Man vervielfachte Rezepturen, passte Gärungen an, testete mehr oder weniger attraktive Köder. Und das funktionierte … bis zu einem gewissen Punkt.
Vor allem dann, wenn der Druck bereits vorhanden war, wenn zahlreiche Arbeiterinnen rund um die Bienenstände aktiv waren und die Nahrungskonkurrenz zugunsten der Falle spielte.
Doch sehr früh wurde eine Grenze deutlich: das Frühjahr – und damit die Herausforderung, die Gründerköniginnen zu fangen. Denn eine Gründerin ist keine Arbeiterin. Sie ist allein, in der Landschaft verstreut, ständig in Bewegung. Sie patrouilliert nicht an einem Bienenstand – sie erkundet ein Gebiet.
In diesem Kontext ist ein rein olfaktorisches Signal oft begrenzt. Es braucht mehr. Einen zweiten Hebel.
Hier setzte sich eine Idee durch, die rückblickend fast selbstverständlich erscheint: Die Hornisse orientiert sich nicht nur am Geruchssinn. Sie sieht.
Eine Inspiration von anderswo: die Welt der Mücken
Diese Idee entstand nicht in der Imkerei, sondern anderswo – in der Welt der Mücken.
Seit Jahren nutzen UV-Fallen ein bekanntes Prinzip: die Verwendung eines visuellen Signals im Ultraviolettbereich, um das Flugverhalten zu beeinflussen und zu lenken.
Mücken reagieren empfindlich darauf, und ihre Flugbahn wird dadurch stark beeinflusst.

Die Frage stellte sich daher ganz natürlich:
Wenn ein UV-Visuelles Signal bei Mücken eine so entscheidende Rolle spielt, warum sollte man diesen Ansatz nicht auch bei der Asiatischen Hornisse untersuchen?
Zumal Hornissen – wie Mücken – über ein erweitertes Sehvermögen im Ultraviolett-, Blau- und Grünbereich verfügen.

Eine wesentliche Einschränkung: kein Strom am Bienenstand
Die Antwort kam sofort – fast wie eine Wand.
Klassische UV-Fallen funktionieren, weil sie an das Stromnetz angeschlossen sind: UV-Lampen, Dauerstromversorgung, energieintensive Geräte … Alles Dinge, die im imkerlichen Gelände nicht praktikabel sind!
Man schließt keine Dutzenden Fallen mitten auf Feldern, in Wäldern oder an Hängen an.
Wenn es eine Lösung geben sollte, musste sie passiv, autonom und ohne Strom sein.
Genau an diesem Punkt änderte sich die Denkweise.
Warum UV erzeugen, wenn die Sonne es bereits liefert?
Warum künstlich UV-Licht erzeugen, wenn die Sonne es ohnehin ständig liefert?
Hier ist das Standard-Emissionsspektrum der Sonne im UV- und sichtbaren Bereich:

Und hier der Vergleich zwischen dem vom Menschen wahrgenommenen Spektrum und dem der Hornissen sowie allgemein der Hautflügler:

Ultraviolett im Sehvermögen der Hautflügler
Bei Hautflüglern (Bienen, Wespen, Hornissen) ist ultraviolettes Licht kein nebensächliches Detail: Es ist integraler Bestandteil ihrer Wahrnehmung der Welt.
Im Gegensatz zum Menschen, dessen Sehvermögen beim Violett endet, besitzen viele Hautflügler Photorezeptoren, die für UV-A empfindlich sind, typischerweise im Bereich von 340–360 nm.
Ihr Sehvermögen ist trichromatisch, jedoch in Richtung kurzer Wellenlängen verschoben: UV – Blau – Grün statt Blau – Grün – Rot wie beim Menschen.
Bei der Honigbiene ist die Nutzung von UV gut dokumentiert. Blumen zeigen häufig UV-Muster, die für das menschliche Auge unsichtbar sind – sogenannte Nektar-Leitsignale – die das Insekt zum Blütenzentrum führen.
UV spielt auch eine Rolle bei räumlicher Orientierung, Formerkennung, Kontrastwahrnehmung und visueller Gedächtnisbildung.
Bei Wespen und Hornissen sind die Kenntnisse weniger verbreitet, führen jedoch zur gleichen biologischen Realität.
Es handelt sich um tagaktive, visuell orientierte Insekten, die in voller Sonne aktiv sind und ihr Sehvermögen intensiv zur Navigation, Jagd und Erkundung nutzen. UV erweitert ihre visuelle Landschaft und beeinflusst Flugbahnen sowie Annäherungsverhalten.
UV-Licht wird daher nicht als Farbe wahrgenommen, sondern als strukturierende visuelle Information. Ein Material, das UV reflektiert, „leuchtet“ nicht im menschlichen Sinne, sondern hebt sich visuell für das Insekt ab.
Das eigentliche Problem: UV ist vorhanden … verschwindet aber
Bisher haben wir gesehen, dass das Problem nicht im Fehlen von UV liegt. UV ist natürlicherweise im Sonnenlicht vorhanden. Doch um es nutzbar zu machen, stehen wir vor einem anderen Problem: Die meisten Materialien absorbieren oder neutralisieren es.
Ultraviolett ist vorhanden – aber es verschwindet. Unsichtbar. Unnutzbar.
Was wäre, wenn wir statt es zu absorbieren lernen würden, es zu reflektieren?
Gezielt, stabil und nutzbar für das visuelle System der Hornisse?

Vom Material zur UV®-Technologie
Ab diesem Punkt ging die Arbeit weit über ein einfaches Fallendesign hinaus.
Man musste sich dem Material selbst widmen:
seiner Zusammensetzung, seiner Farbe, seiner optischen Reaktion und seinem Verhalten über die Zeit – unter Regen, Sonne und wiederholter UV-Bestrahlung.
Das Ziel war nicht ästhetisch, sondern funktional:
ein Material zu entwickeln, das Sonnenlicht in ein aktives visuelles Signal umwandeln kann – ohne Energie, ohne Elektronik, ohne Wartung.
Diese Forschungs- und Entwicklungsarbeit führte 2025 zu einer neuen, patentierten Technologie.
Industrialisierung und erste Feldergebnisse
Wir entwickelten eine Falle, die etwa 80 % mehr UV-Licht reflektiert als eine klassische Falle und damit grundsätzlich attraktiver ist.
Im Juni 2025 wurde die erste industrielle Serie im Baskenland produziert.
Ornetin UV erfasste durchschnittlich 75 % der Hornissen, gegenüber 25 % für Ornetin Classic.
Eine Fangmethode mit zwei Hebeln
Mit Ornetin UV basiert das Fangen nicht mehr nur auf einem einzigen Hebel, sondern auf der Kombination zweier Mechanismen: Geruch und visuelles UV-Signal.
Diese beiden Hebel ergänzen sich gegenseitig und verstärken ihre Wirkung.
Die entscheidende Herausforderung: die Gründerinnen
Die nächste entscheidende Etappe ist der Nachweis der Wirksamkeit beim Fang von Gründerköniginnen im Frühjahr.
Im Frühjahr zählt jede gefangene Gründerin.
Eine bodenständige Innovation aus der Praxis
Die von Ornetin entwickelte UV®-Technologie ist kein Wunderversprechen.
Doch sie bringt eine grundlegende Veränderung: Erstmals wirkt das Fangen der Asiatischen Hornisse gleichzeitig auf Geruch und Sehvermögen – passiv, nachhaltig und praxisnah.
Wir sehen uns im Frühjahr an den Bienenständen!